Die Bibliothek von Oberkirchen ist klein. Zwei Räume, 4.200 Bücher, ein Computer, der schon bessere Tage gesehen hat. Aber für die 1.800 Einwohner des Ortes ist sie mehr als ein Ort zum Lesen: Sie ist Treffpunkt, Lernort und letzte Bastion gegen das Vergessen.

„Wenn die Bibliothek schließt, schließt der letzte öffentliche Raum, der jedem offensteht", sagt Gertrud Hoffmann, 71, ehrenamtliche Leiterin seit zwölf Jahren. Die Gemeinde hat kein Geld mehr. Der Landkreis verweist auf den Digitalisierungsfonds. „Aber ein eBook ersetzt keine menschliche Begegnung", sagt Hoffmann bestimmt.

Der Fall Oberkirchen steht stellvertretend für eine Entwicklung, die sich quer durch ländliche Regionen Deutschlands zieht. Seit 2010 hat jede fünfte Gemeindebibliothek geschlossen.

An einem Dienstagnachmittag sitzt eine Gruppe Grundschüler zwischen den Regalen und liest. Lilly, 8 Jahre alt, zeigt auf ein Buch über Dinosaurier: „Das gibt es nur hier."

„Eine Gesellschaft, die ihre Bibliotheken aufgibt, gibt ihre Zukunft auf."

Gertrud Hoffmann hat eine Petition gestartet. 3.400 Unterschriften in drei Wochen. Der Bürgermeister hat zugesagt, die Schließung um ein Jahr zu verschieben. Ob das reicht, weiß niemand. Aber die Menschen in Oberkirchen werden weiterkämpfen — für ihre letzte Bibliothek.