Die Demokratie steht vor einer ihrer größten Bewährungsproben seit dem Ende des Kalten Krieges. In fast allen westlichen Ländern sinkt das Vertrauen in Institutionen, während populistische Bewegungen an Boden gewinnen. Doch was genau passiert da — und lässt sich der Trend umkehren?
„Wir erleben keinen Zusammenbruch der Demokratie, sondern eine tiefgreifende Transformation", sagt die Politologin Sandra Müller von der Freien Universität Berlin. „Die Bürgerinnen und Bürger distanzieren sich nicht von der Demokratie als Idee, sondern von der Art und Weise, wie sie praktiziert wird."
„Was wir brauchen, ist nicht weniger Demokratie, sondern eine Demokratie, die näher an den Menschen ist."
Die Zahlen sind eindeutig: Laut dem aktuellen Demokratiebarometer geben nur noch 38 Prozent der Befragten an, mit dem Funktionieren der Demokratie zufrieden zu sein. Vor zehn Jahren lag dieser Wert noch bei 62 Prozent. Besonders drastisch ist der Rückgang bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und 29 Jahren.
Für Müller liegt ein Schlüssel in der Kommunalpolitik: „Wenn Menschen vor Ort erleben, dass ihre Stimme zählt — bei der Gestaltung ihres Viertels, ihrer Schule, ihres öffentlichen Nahverkehrs — dann kehrt auch das Vertrauen zurück." Bürgerforen, Losverfahren und digitale Beteiligungsplattformen könnten den Weg in eine neue Form demokratischer Mitsprache weisen.
Ob diese Ansätze ausreichen, um die Erosion aufzuhalten, bleibt offen. Sicher ist jedoch: Die Demokratie der Zukunft wird sich von der des 20. Jahrhunderts grundlegend unterscheiden müssen, wenn sie überleben will.